„Es braucht es ein ganzes Dorf“
Wie viele Menschen braucht es für die Ausbildung eines Lehrlings?
Das Sprichwort stammt aus Afrika und besagt, dass Erziehung am besten gelingt, wenn unterschiedliche Menschen mit ihren jeweils individuellen Fähigkeiten ihren Beitrag dazu leisten. Untersuchungen bestätigen, dass diese Vorgehensweise sehr erfolgreich ist. Warum sollte das bei der Ausbildung von Lehrlingen anders sein?
Die hohe Zahl an vorzeitig aufgelösten Lehrverträgen zeigt, dass sich in der Ausbildung dringend etwas ändern muss. Gründe für die Auflösung finden sich auf beiden Seiten – beim Betrieb und beim Lehrling. Vielleicht schaffen es einige Lehrlinge mehr ins Ziel, wenn Ausbildung zu einer Gemeinschaftsaufgabe wird, zu der alle im Betrieb beitragen. Einen Versuch ist es auf jeden Fall wert.
Wer könnte welchen Beitrag leisten?
Der Chef
An oberster Stelle steht der Chef. Im Regelfall ist er bei der Handwerkskammer eingetragen und muss die persönliche und fachliche Eignung für die Ausbildung vorweisen. Er legt fest, ob ausgebildet wird, kümmert sich um die die Nachwuchssuche und trifft die Entscheidung über die Einstellung. Die Überwachung der gesamten Ausbildung liegt bei ihm. Dazu gehören die Durchsicht der Ausbildungsnachweise und regelmäßige Feedbackgespräche. Er vermittelt die Ziele des Unternehmens und die Ziele der Ausbildung. Er beurteilt und fördert den Lehrling und zeigt ihm Perspektiven auf. Wenn notwendig, hilft er über „Durststrecken“ hinweg. Wegen seiner zahlreichen anderen Aufgaben wird die eigentliche Ausbildung an Ausbildungsgesellen/-monteure delegiert.
Die Ausbildungsmonteure als fachliche Ausbilder
Die Tätigkeit der Ausbildungsmonteure ist höchst anspruchsvoll. Sie stehen dem Lehrling in unterschiedlichen Rollen zur Verfügung. Sie sind für ihn der fachliche Experte, das heißt, sie beherrschen ihr Metier. Zur Expertenrolle kommt die Rolle des Lehrers. Sie sind in der Lage, dem Lehrling die Inhalte und Zusammenhänge seiner Tätigkeit zu erklären. Sie übernehmen aber auch die Rolle des Trainers, das heißt, sie unterstützen ihn bei der Entwicklung seines handwerklichen Geschicks und seiner Fertigkeiten. Als Coach unterstützen sie den Lehrling durch Fragen, mit denen sie das selbständige und eigenständige Denken anregen: „Wie gehst du hier am besten vor?“, „Was wäre dein Vorschlag?“ etc.
Die „älteren“ Kolleginnen und Kollegen als Mentoren
In vielen Fällen ist für den Lehrling ein „väterlicher Freund“ oder eine „mütterliche Freundin“ hilfreich. Diese Rolle ist nicht jedem gegeben. Diese Person wird zum vertrauenswürdigen Ansprechpartner, was nicht mit der fachlichen Ausbildung zu tun hat, z. B. für Tipps, wie man mit bestimmten Situationen am besten umgeht, etwa bei Stress mit einem Kollegen oder dem Chef. Auch das ist eine sehr anspruchsvolle Tätigkeit. Sie sollte von jemanden übernommen werden, der freundlich und offen ist, mit jungen Menschen umgehen kann und weiß, wie der Laden läuft.
Möglichst viele als Vorbilder
Genauso wichtig wie die fachliche Ausbildung ist die Ausbildung der Persönlichkeit. Hier gilt, dass man meist nicht das lernt, was einem gesagt wird, sondern das, was man bei anderen sieht, also das, was im Unternehmen vorgelebt, akzeptiert und „honoriert“ wird. Daher sind zuverlässige Vorbilder wichtig. Für den Erfolg in dem Bereich ist es von besonderer Bedeutung, dass sich der Chef und alle Kolleginnen und Kollegen bezüglich Pünktlichkeit, Sorgfalt und Qualitätsbewusstsein vorbildlich verhalten. Dazu zählt auch, dass die Vereinbarungen und Vorgaben zu den Sicherheitsvorschriften von allen eingehalten werden. Vorbildlich sollte auch der Umgang mit Kolleginnen und Kollegen sein und selbstverständlich der mit Kundinnen und Kunden. Lästern und Nörgeln über andere hat fatale Folgen.
Alle als Mitverantwortliche für das Betriebsklima
Nicht zuletzt beeinflusst das Betriebsklima den Erfolg der Ausbildung. Jeder Lehrling stellt sich die Fragen:
- Gibt es Interesse an mir und fühle ich mich zugehörig?
- Werde ich als Mensch wahrgenommen und erfahre ich Wertschätzung?
- Fühle ich mich unterstützt und fair behandelt?
- Fühle ich mich gebraucht? Gibt es ein gutes Miteinander?
Jedes „Ja“ zahlt auf den Erfolg der Ausbildung ein.
Viele junge Menschen bringen von ihren Fähigkeiten und ihrem Verhalten nicht die besten Voraussetzungen für eine Ausbildung im SHK-Handwerk mit. In vielen Fällen kann „ein ganzes Dorf“ an Unterstützern eine Menge bewirken.